#GLORE50 MONTHLY – Juni 2026
Unsere News zu den Wachstumstreibern im globalen Online-Handel
Wer gedacht hatte, das zweite Quartal würde ruhiger werden als das erste, hat die Rechnung ohne den Juni gemacht. Denn der Monat stand im Zeichen einer Zäsur, die lange angekündigt war und trotzdem viele kalt erwischt: Ab 1. Juli fällt die EU-Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro. Was das für Temu, Shein und AliExpress bedeutet, ist noch offen. Sicher ist nur, dass das Geschäftsmodell des chinesischen Direktversands unter Druck gerät wie nie zuvor.
Und dann, kurz vor dem Monatsende, das Urteil, auf das alle gewartet haben: Die Bundesregierung genehmigt den Verkauf von MediaSaturn nach China. Was monatelang als ungewisse Hängepartie zwischen Wien, Brüssel und Berlin pendelte, ist damit entschieden. JD bekommt seinen europäischen Brückenkopf und der europäische Elektronikhandel eine neue Wettbewerbsrealität.
Auf der anderen Seite liefert Douglas ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn man die Digitalisierung zu lange der Filialpflege opfert. Dass ausgerechnet Notino und Flaconi die Marktanteile abräumen, die Douglas liegen gelassen hat, ist die wenig überraschende Pointe einer vorhersehbaren Geschichte. Und Alza zeigt derweil, was möglich ist, wenn man aus einer vermeintlichen Randposition konsequent wächst: 2,5 Mrd. Euro Umsatz aus Tschechien, mit Kurs auf 5 Mrd.
Wer im Juni die Nase vorn hatte, was die Halbjahrsbilanz bedeutet und welche Weichen für H2 jetzt gestellt sind, erfahrt ihr hier:
DIE #GLORE50 PERFORMANCE
Die GLORE50 beendeten den Juni 2026 bei 117,45 Punkten (Stand: 30.06.2026) – ein Plus von gut 4 % gegenüber dem Vormonat. Nach dem tiefen März (101,79 Punkte) und der schrittweisen Erholung seitdem schließt der Index das erste Halbjahr mit einem versöhnlichen Ausrufezeichen ab. Die Spanne zwischen den Gewinnern und Verlierern im Halbjahresvergleich ist dabei enorm – der Markt differenziert weiterhin scharf.
Gewinner & Verlierer
Gut behaupten konnten sich im Mai nur diese Top 5:
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Redcare (+58%) sprang nach einer Prognoseerhöhung an die Spitze – ein Zeichen dafür, dass der Markt positive Signale aus dem Gesundheitssegment derzeit besonders belohnt.
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Boohoo (+30%) überraschte mit einer starken Gegenbewegung nach einem schwachen ersten Halbjahr.
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Wayfair (+27%) zeigte, dass das Home-Segment unter den richtigen Vorzeichen noch Potenzial hat.
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DocMorris (+26%) profitierte von der generellen Stärke im Online-Apothekensegment.
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RealReal (+21%) erholte sich, aber ob nachhaltig, bleibt abzuwarten.
Am stärksten unter Druck standen diese Fondsmitglieder:
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Alibaba (-25%) litt unter wachsenden Zweifeln an der Wachstumsdynamik und geopolitischem Gegenwind.
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Ocado (-21%) steht nach dem angekündigten Chefwechsel vor einer Neuausrichtung – der Markt reagierte entsprechend skeptisch.
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BHG (-15%) kämpft weiter mit strukturellen Herausforderungen im asiatischen Online-Möbelmarkt.
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Bike24 (-14%) verlor die Gewinne aus dem Vormonat wieder – das Outdoor-Segment zeigt nach dem Rekordjahr erste Ermüdungserscheinungen.
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JD (-13%) büßte trotz des MediaSaturn-Durchbruchs an der Börse ein – die Unsicherheit über die Integrationskosten lastet auf dem Kurs.
NEWS von Unternehmen aus den GLORE50
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Bundesregierung genehmigt MediaSaturn-Verkauf nach China: Der lange schwelende Deal ist durch. Kurz vor Monatsende gab die Bundesregierung grünes Licht für die Übernahme von MediaSaturn durch JD. Damit endet eine monatelange Hängepartie zwischen Wien, Brüssel und Berlin – und beginnt ein neues Kapitel im europäischen Elektronikhandel. JD bekommt seinen stationären Anker in Europa, während die Frage bleibt, wie aggressiv der chinesische Player die Filialen als Logistik- und Showroom-Infrastruktur nutzen wird.
https://excitingcommerce.de/2026/06/29/bundesregierung-erlaubt-den-verkauf-von-mediasaturn-nach-china/ -
Douglas: Wenn Omnichannel zur Falle wird. Jahrelang hat Douglas in Filialen investiert und das Online-Geschäft vernachlässigt. Die Quittung: Umsatzziele mehrfach verfehlt, Marktanteile an Notino und Flaconi verloren. Jetzt folgt die offizielle Kehrtwende – Investitionen werden vom Filialnetz in den digitalen Kanal umgeleitet. Ein Schritt in die richtige Richtung, der allerdings schmerzhaft spät kommt.
https://excitingcommerce.de/2026/06/20/douglas-verliert-im-online-wettbewerb-und-will-gegensteuern/ -
Alza: 2,5 Mrd. Euro und Kurs auf mehr. Der tschechische Elektronikhändler hat seinen Umsatz auf 2,5 Mrd. Euro gesteigert und nimmt nun zuerst die 3-Mrd.-Marke ins Visier, danach die 5 Mrd. Was Alza dabei auszeichnet: konsequentes organisches Wachstum ohne globalen Konzernrückhalt. Eine europäische Erfolgsgeschichte, die der Markt noch angemessen einpreisen muss.
https://excitingcommerce.de/2026/06/17/alza-peilt-jetzt-von-tschechien-aus-die-3-mrd-euro-an/ -
easyShop: Europas Antwort auf Shopee? Mitten in einer Phase, in der europäische Plattformen unter Druck stehen, taucht ein neuer Kandidat auf. Ob easyShop die Lücke im europäischen Marktplatzmarkt tatsächlich schließen kann, bleibt offen – aber allein die Tatsache, dass die Frage ernsthaft gestellt wird, sagt einiges über das Vakuum, das hier existiert.
https://excitingcommerce.de/2026/06/06/hat-easyshop-das-zeug-zu-einem-europaeischen-shopee/
Weitere Branchennews
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Zollwende ab 1. Juli – das Ende des Billig-Imports aus China? Die EU schafft die Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro ab. Temu, Shein und AliExpress verlieren damit ihren strukturellen Preisvorteil im Massengeschäft. Wie schnell sie sich durch europäische Lagerstrukturen anpassen – und ob das gelingt – wird eine der prägenden Fragen des zweiten Halbjahres.
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The Platform Group: Das Manager Magazin bleibt dran. Trotz erheblichem rechtlichen Gegenwind recherchiert das Manager Magazin weiter investigativ. Und bekommt dabei offenbar immer mehr exklusive Informationen zugespielt – ein Zeichen dafür, dass die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist. https://excitingcommerce.de/2026/06/13/das-manager-magazin-bleibt-dran-an-the-platform-group/
Hörtipps
In Exchanges #393 stellen Jochen Krisch und Marcel Weiß eine Frage, die derzeit durch die gesamte Branche hallt: Wie viel Paranoia braucht der Online-Handel eigentlich? Die Folge ordnet die heißesten Themen des Monats ein: MediaSaturn als geopolitischen Spielball, die Delivery-Hero-Übernahmesaga, easyShop und den Otto-Konzern nach About You.
Zum Podcast geht es hier: https://soundcloud.com/excitingcommerce/exchanges-393-was-ist-das
Regelmäßige Updates zu den GLORE50
Wenn Sie die Entwicklungen zu den GLORE50 nicht nur monatlich verfolgen möchten, sondern häufiger: Tägliche Updates und Anmerkungen gibt es auf Instagram bei den GLORE Days sowie regelmäßig bei Exciting Commerce.
Mit herzlichen Grüßen
Jochen Krisch & Sven Rittau
Redaktionelle Mitarbeit: Katrin Grieser
Über die #GLORE50
Die GLORE50 basieren auf dem Global Online Retail Fonds, der am 1. Oktober 2015 auf unsere Initiative hin als bewusst breit gestreuter Branchenfonds für den globalen Online-Handel an den Start gegangen ist. Wir stehen ihm seitdem beratend zur Seite mit Analysen und Einschätzungen, was die Zusammensetzung sowie die Auswahl und Gewichtung relevanter Unternehmen angeht.
Hinweis zum Global Online Retail Fonds
Wir haben den GLORE50 Index, kurz für Global Online Retail Fonds, 2015 mit Unterstützung der E-Commerce-Branche als offenen Branchenfonds für alle initiiert, so dass jeder am Wachstum der Branche partizipieren kann. Unser Fonds-Modell „Von Experten für Experten für Alle“ arbeitet so kostenschonend wie möglich und verzichtet bewusst auf Ausgabeaufschläge, sodass ein An- und Verkauf jederzeit problemlos möglich ist. Gestartet mit 2,5 Millionen Euro, beträgt das Fondsvermögen aktuell 7,9 Millionen Euro (Stand: 30. Juni 2026).
Wie investiere ich in den Global Online Retail Fonds?
Der Global Online Retail Fonds hat die Wertpapierkennnummer A14N91, die Sie zunächst über den Broker bzw. die Bank Ihrer Wahl suchen müssen. Anschließend wählen Sie die gewünschte Anlagesumme aus und geben den Kauf frei. Bei ausgewählten Banken und Brokern können Sie auch einen monatlichen Sparplan auf den Global Online Retail Fonds einrichten.
DISCLAIMER: Die Einordnungen im GLORE50 Monthly haben lediglich Informationscharakter und sind nicht als Anlageempfehlungen zu verstehen. Wer sich an der Börse engagiert, sollte sich neben den Chancen stets auch der Risiken bewusst sein.